Rund um den Südschwarzwald

14 09 2014

Im Teil I der diesjährigen 2-wöchigen Sommertour geht es mit dem Rad und zu Fuß in den Süden der Republik. Im Teil II geht es eine Woche ins Elsass und in die Vogesen im Land des Baguettes und guten Weines: Frankreich.

Es ist Montagmorgen kurz vor 7 Uhr und ich bin gerade in Basel angekommen, da spricht mich Hans-Georg aus Paderborn an. Sein Rad und seine Kleidung sehen ebenfalls verdächtig nach Radwandern aus. Er wartet auf seinen Anschlusszug, der ihn nach Andermatt führt, zu einer der Quellen des Rheins, den er bis in die Niederlande abfahren möchte. Da ich auch noch gute 3 Stunden Zeit habe bis meine Reisepartnerin aus England eintrifft, gehen wir gemeinsam einen Kaffee trinken und er erzählt mir zufrieden von seinem Leben und seinen bisherigen Radabenteuern. Ein zufriedener Deutscher! Im Ausland! Die Stimmung steigt. Als Hans-Georg schließlich seinen Zug nimmt, warte ich immer noch auf Becky und fahre schon mal den Weg durch die Stadt ab, damit wir schneller hinaus finden. Dann ist sie da! Endlich kann es losgehen.

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wiedervereint in Basel: Becky und ich lernten uns vor 4 Jahren in Neuseeland kennen und radelten einige Monate zusammen durchs Land

Das Blau des Rheins fasziniert mich. Vor 3 Jahren war ich schon mal hier, kann mich aber nicht an dieses intensive Blau erinnern. Vielleicht war gerade etwas Hochwasser, was das Wasser trüber und dunkler erscheinen lässt. Bald überqueren wir den Fluss zur deutschen Seite. Es ist alles schön ausgeschildert, nur einmal verfahren wir uns kurz. Auf unserer ersten Etappe wollen wir nach Bad Säckingen, ein Ort direkt an der Grenze zur Schweiz. Mein ehemaliger Klassenkamerad und lieber Freund Jeffrey wohnt mit seiner Frau Carla und ihren zwei Kindern dort. Wir freuen uns sehr auf unser Wiedersehen, da Jeffrey aufgrund einer (fast) zu spät gestellten Diagnose im letzten Jahr schwer erkrankte und der Ausgang viele Monate im Unklaren lag. Die junge Familie handhabt ihr Schicksal mit viel Stärke, die sich vor allem durch einen unerschüterlichen Zusammenhalt auszeichnet. So entpuppt sich der erste Abend unserer Tour als eine herzliche Wiedervereinigung.

Eine schöne Altstadt und die historische Holzbrücke zur Schweiz sind Anlaufstellen aller Besucher von Bad Säckingen. Becky kann kaum glauben, dass man so leicht Grenzen überqueren kann und keiner ihren Pass sehen will. Auf dem weißen Grenzstreifen der auf den Holzboden der Brücke gemalt ist spielen wir hin und her hüpfend Deutschland-Schweiz-Deutschland-Schweiz.. In dieser schönen Stadt am Rhein erleben wir unser erstes kulinarisches Highlight der badischen Küche: Im Wirtshaus „Zur Zunft“ – natürlich ein Tipp von Jeffrey – bestelle ich ein Rösti mit Champignons. Auch wenn ich später erfahre, dass Rösis ursprünglich aus der Schweiz kommen: Oh Gott ist dieses Rösti lecker! Hätte nie gedacht, dass so ein einfaches Essen so spekatulär sein kann (in der Tat sind Röstis nicht wirklich einfach zu machen, sondern sehr aufwändig. Das lerne ich ebenfalls erst später).

Blick zurück in die Schweiz: auf der Brücke nach Deutschland bei Rheinfelden

auf (schönen) Abwegen: einmal verlassen wir versehentlich den Radwanderweg, der schließlich nur noch Wanderweg ist.

Der zweite Tag begrüßt uns mit kräftigem Regen. Aber zum Glück nur so lang, wie wir noch Wege in Bad Säckingen erledigen. Später auf der Strecke nach Stühlingen bleibt es trocken. Wir fahren die ganze Zeit leicht bergauf, doch der Westwind gibt uns Rückenwind und die Beine „fliegen“ – so nenne ich es, wenn man nahezu mühelos einen 20er Schnitt und mehr pedalieren kann.

so kennen ihn nur Wenige: hier unten ist der Rhein wesentlich weniger industrialisiert und nahezu wildromantisch

Hinter Stühlingen wird es dann bergiger. Wir kämpfen uns am 3. Tag der Rundfahrt bis nach Bonndorf hinauf, wo wir den Nachmittag nutzen möchten, um in der Wutachschlucht zu wandern. Da es keinen Zeltplatz gibt, empfiehlt uns die Touristeninformation die super günstige und charmante Pension „Schüler“. Der Übernachtungspreis beinhaltet die Kurtaxe von nur wenigen Cents. Wir bekommen dafür ein Kärtchen mit dem wir auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Wir steigen in den Bus, der uns direkt vorm Wanderweg absetzt und erkunden die urige, überwachsene Schlucht der Wutach, einem Nebenfluss des Rheins und ebenfalls Staatsgrenze zur Schweiz, und ihrem Zufluss, dem Lotenbach.

wunderbare urige Landschaft auf dem Wanderweg zur Wutachschlucht

wohlverdient: nach einer ausgedehnten Wanderung gab es in der "Schattenmühle" hausgemachten Pflaumenkuchen

Der vierte Tag ist unsere persönliche Königsetappe: Es geht rauf auf 1.200 Meter. In unserem bikeline Tourenbuch wird empfohlen,  diesen Abschnitt mit der Bahn zu umfahren. Dem Streckenprofil nach macht das auch Sinn, wenn man, wie empfohlen, im Uhrzeigersinn fährt. Da wir anders herum fahren, ist es theoretisch machbar, den Anstieg zu durchfahren. Die Praxis zeigt: es ist auch tatsächlich so. Hinzu kommt, dass ein nagelneues Asphaltband den Weg optimiert. Es herrscht sehr wenig Verkehr, mit dem Rad sehen wir niemanden mehr. Reife Früchte wie Äpfel, Birnen und Pflaumen versorgen uns schon die ganze Tour mit dem benötigten Zucker, jetzt kommen auch noch Him- und Brombeeren hinzu. Dazu diese Ausblicke – herrlich! Und das alles hautnah, wieso dann aus dem Fenster eines vorbei rauschenden Zuges schauen? Schieben müssen wir beide nicht. Wir fühlen uns wie Heldinnen.

oft waren die Radwege Feldwege, die gutes "Schuhwerk" beim Rad voraussetzen, nämlich angemessene Bereifung

auf der Königsetappe ging es auch an dem sehr touristischen Titisee vorbei

Abendstimmung am höchsten Punkt des Südschwarzwald Radweges bei Rinken auf 1.200m

Die darauffolgende Etappe wird kurz: Wir legen keine 30km in nur 2 Stunden zurück, da wir bei Freiburg wieder eine Runde wandern wollen. Die Abfahrt von Rinken fordert uns aber einiges ab. Es ist sehr steil und da es in der Nacht regnete, ist der wechselnde Asphalt glatt. Höchste Konzentration, ein gutes Kennen des Rades und vorausschauendes Fahren sind das A und O einer sicheren Abfahrt. Und dennoch: mein Grinsen geht von einem Ohr zum andern! Ich kann mich dem Geschwindigkeitsrausch nicht entziehen, das sind wir immerhin auch alles hoch gestrampelt! Zu so früher Stunde begegnet uns immerhin kaum ein Auto.

Morgenstimmung am gleichen Ort: dort hinunter geht es nun 😀

Auf dem Zeltplatz bei Freiburg sind 2 Motoradfahrer aus Englad unsere Zeltnachbarn. Einer von ihnen kann sich nicht genug darüber wundern, dass sie hier eine weitere Engländerin treffen. Dass wir dazu noch mit dem Rad unterwegs sind, sind wir schon gewohnt, dass das nicht jeder versteht. Vor allem Frauen nicht und vor allem die Frauen der Männer nicht. Denn diese sind oft von unserer Tour begeistert, was die Freundinnen und Gattinen dann anscheinend wiederum nicht so begeistert. So ging es uns auch mit unserem englischen Nachbarn, der seine Freundin mit auf die Motorradtour genommen hat, während sein Kumpel ohne Begleitung war. Beide Motorradfahrer unterhalten sich mit uns, bieten uns zu essen an und wischen uns am nächsten Morgen die nassen Zelte trocken. Die Freundin des Motoradfahrers, der diesen lustigen Zufall nicht genug feiern kann, wirkt genervt und miedet unserere Nähe. Sehr amüsant.

Leider macht uns das Wetter einen Strich durch unsere Wanderpläne. Da Becky aber ohnehin noch das eine oder andere Geburtstagsgeschenk und Mitbringsel organisieren möchte, entscheiden wir uns statt dessen durch Freiburg zu schlendern. Und Freiburg ist wahrlich eine Stadt, bei der sich ein Besuch immer wieder lohnt. Die Kirche mit ihren reich verzierten Türmchen, die vielen kleinen Wasserkanäle, die guten Wirtsstuben!

Nach Freiburg haben wir die Berge des Schwarzwaldes hinter uns gelassen und es geht in die sanftere Hügellandschaft, die von Weinreben durchzogen ist. Nun können wir vor uns die Vogesen auf französicher Seite sehen!

hinter Freiburg sind am Horizont die dunklen Silhouetten der Vogesen zu sehen

Kurz vor Neuenburg erreichen wir wieder den Rhein. Diese Stadt druchradeln wir dann auch unfreiwillig, da der Radweg in diesem Abschnitt wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Zum Glück gefällt uns Neuenburg und wir legen hier eine Mittagspause ein, bevor es weiter zum Kurort Bad Bellingen bzw. Bamlach bei Bad Bellingen geht. Hier schlagen wir unsere Zelte an einem steilen Hang auf, an dem quasi „Zeltterrassen“  geschaffen wurden. Das erlaubt uns einen grandiosen Blick Richtung Westen zum Rhein und den Vogesen. Die Natur beschert uns ein faszinierendes Sonne-Wolken-Licht-Spiel und als es dunkel wird, sind die Lichter der vielen Ortschaften entlang des Flusses wie Sterne am Boden. Lediglich am rechten Ende unseres Blickfeldes ist eine etwas hässliche Industrieanlage. Oder könnte es sogar das Atomkraftwerk Fessenheim sein?

Laut Karte nicht auszuschließen: möglicherweise ein Teil der Atomkraftanlage Fessenheim. Im Dunkeln leuchtet es wie ein an Himmel eingefrorenes Feuerwerk.

Am Sonntag, dem 7. Tag unserer Radtour, muss Becky schließlich zurück nach Basel um von dort aus heimzukehren. Ich bringe sie bis zur deutschen Stadt des 3 Länder Eckes Deutschland – Frankreich – Schweiz, nach Weil am Rhein. Hier verbindet die 3 Länderbrücke Deutschland mit Frankreich und hier trennen sich unsere Wege schon wieder. Eine Woche ist schnell vergangen. Sie war voller Eindrücke und Erlebnissen, meist gutem Wetter, leckerem Essen und wirklich sehr herzlichen Menschen.

auf der "Zeltterrasse" in Bamlach

Die Tour im Steckbrief:

Insgesamt zurück gelegte Strecke: ca. 320km

Höhenmeter: 1.938m (lt. Streckenbescheibung des adfc)

höchster Punkt: 1.200m bei Rinken (Nähe Feldberg)

Etappen:

Basel – Bad Säckingen 63km, Übernachtung bei Carla und Jeffrey

Stühlingen, 65 km, Zeltplatz

Bonndorf, 27 km, Pension Schüler – Wandern zur Wutachschlucht

Rinken, 55km, Übernachten in Schutzhütte

Freiburg, 23km, Camping am Möslepark, Stadtrundgang

Bamlach bei Bad Bellingen, 65 km, 2 Übernachtungen auf Zeltplatz „Lug ins Land“

Weil am Rhein, 21km

Unserer Erfahrung nach ist es viel sinnvoller, den Rundweg entgegen dem Uhrzeigersinn zu fahren. In Richtung Osten hat man tendenziell Rückenwind, in Richtung Westen fährt man bergab. Und in dieser Richtung ist auch die steile Spitze bei Rinken machbar.

Weitere Infos zur Strecke: http://www.adfc.de/8984_1



„Wenn du siebenmal hinfällst…

30 08 2013

..musst du achtmal wieder aufstehen.“ Lese ich in einer Zeitung beim Arzt. Und das triffts.

Es ist Dienstag, der Tag der Abreise nach Kenia. Exakt einen Tag später wird der Flieger aus Hamburg in Dubai landen, wo meine Kollegin Carola und mich ein äußerst gastfreundlicher Couchsurfer erwartet. Er hat sich extra einen Tag freigenommen um uns seine Stadt zu zeigen, bevor es nach 10 Stunden Aufenthalt in den arabischen Emiraten nach Nairobi weitergeht.

Doch ich sitze bei meiner Hausärztin, weil ich eine „Reiseunfähigkeitsbescheinigung“ für die Versicherung benötige. Denn eine Nacht vor dem Abflug machte mir eine gesundheitliche Unpässlichkeit einen Strich durch die Rechnung.

Ich muss lachen bei dem Gedanken, dass ich meine Mitmenschen immer zum achtsamen Umgang mit sich selbst animieren möchte. Denn nur ausgeglichene, gesunde Menschen sind in der Lage mit den hohen Leistungsanforderungen unserer Gesellschaft umzugehen und ihre Umwelt nach ihren Vorstellungen und Werten zu verändern. Und dann will es mir nicht gelingen, für ein Projekt das mir am Herzen liegt und in das ich in der jüngsten Vergangenheit einiges an Zeit investiert habe fit genug zu sein, um es vor Ort umzusetzen.

Wer jetzt denkt „Ohje, ganz großes Matata!“ (ganz großes Problem), der soll beruhigt sein: dem Projekt und dessen Erfolg tut es dennoch keinen Abbruch, auch wenn diese Neuigkeit für reichlich Aufregung im Team und bei meiner Projekt- und Reisepartnerin Carola gesorgt hat. Aber eine liebe Kollegin aus unserem Stiftungsteam war glücklicherweise flexibel genug um spontan einzuspringen und einen Tag später hinterher zu fliegen. Sie hat bereits Afrikaerfahrung sowie die Impfungen, kennt sich mit Computern und den Programmen aus und hat auch Erfahrung als Anleiterin und Betreuerin – sie ist also bestens geeignet.

Weitere Infos zum Besatzungswechsel und wie es mit dem Projekt weitergeht gibt’s nach wie vor auf: kibera.digitale-chancen.de

Was mich betrifft, werde ich mich nun erst einmal wieder gesundheitlich berappeln und mir dann eine neue Herausforderung – oder einfach nur mal ein Urlaubsziel – suchen. Ich hatte immerhin schon eine tolle Woche auf einem wwoof Hof in Werder bei Jüterbog (in Brandenburg), auf dem ich mich als Allroundhilfe einbringen und viele Stunden zusammen mit Kindern und Haustieren an der frischen Luft und in der Sonne verbringen konnte. Aus meinem Umfeld kamen außerdem viele, viele Verständnisbekundungen und Hilfsangebote. Lieben Dank dafür, das erleichtert die Situation enorm!

Veränderungen sind eben auch immer Chancen, selbst die ungewollten. 🙂



Let’s go Africa!

21 08 2013

Farmarbeit in Deutschland, Stadtrundfahrt in den Vereinigten arabischen Emiraten und Freiwilligenarbeit in Kenia

.. in nur 4 Wochen! Den letzten spannenden Sommerurlaub habe ich meinen Lesern leider vorenthalten, daher fange ich in diesem Jahr mal frühzeitig an, dann könnt ihr mich trietzen ;-).

In diesem Jahr stürze ich mal ohne Fahrrad ins Abenteuer, was aber nicht weniger aufregend ist. Zu Beginn des diesjährigen Sommerurlaubs habe ich mich  endlich mal wieder auf eine Farm zum wwoofen begeben, auf der ich das Landleben auf „deutsch“ kennenlerne – ich will mal sehen, ob es  Unterschiede zum neuseeländischen Landleben gibt und meine Kenntnisse im Ökolandbau auffrischen und erweitern.

Danach geht es für ein Freiwilligenprojekt mit anschließendem Urlaub für insgesamt 3 Wochen nach Kenia. Während des 10-stündigen Zwischnstopps in Dubai  wollen wir je nach Visazugänglichkeit einen kurzen Abstecher in die Stadt machen. In Kenia bringen meine Kollegin Carola und ich Computer an eine Mädchenschule in der Hauptstadt Nairobi. Die Schule liegt im Bezirk Kibera, einem der größten Slums Ostafrikas. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange, die Flüge gebucht, die Visa in der Tasche und Impfungen schon gemacht (Gelbfieber, Typhus, Hepatitis A).

Kenia wird die exotischste Reise die ich bisher unternommen habe. Viele denken bei Afrika an wilde Tiere, die unter Schirmakazien grasen oder über die Savanne jagen. Viele denken aber auch an Bürgerkriege und Korruption. Kenia bedient da fast alle Klischees. Was die Fauna betrifft kann das Land mit fast allen Tieren aufwarten, die einem spontan bei dem Gedanken an Afrika einfallen. Elefanten, Löwen, Giraffen, Leoparden, Antilopen, Warzenschweine, Nashörner usw. Ein Safariparadies, das viele Urlauber seit Jahren genau deswegen zu schätzen wissen.

Regiert wird das Land gegenwärtig von einem Präsidenten, der sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit seinem derzetigen Vize zu Gewaltaten nach den Wahlen im Jahre 2007 aufegrufen zu haben. Dabei starben schätzungsweise 1.500 Menschen, mehr als eine halbe Million musste fliehen. Dennoch traute das kenianische Volk diesen beiden Männern bei den vergangenen Wahlen im März diesen Jahres am ehesten zu, das Land zu verändern.

Laut transparency international belegte Kenia im Jahre 2010 Platz 154 von 178  im Korruptionswahrnehmungsindex – wer möchte, dass Dinge schnell und gut funktionieren, muss das System immer wieder „schmieren“.

Was verbindet man sonst noch mit Kenia? Kenia exportiert beträchtliche Mengen Schnittblumen nach Europa. Der Pestizideinsatz ist dabei oft enorm, strenge Kontrollen wie innnerhalb der EU exisiteren nicht. Die Durchseuchung des Bodens und des Trinkwassers mit all seinen negativen Folgen ist unumgänglich. Darum gekümmert wird sich wenig, immerhin schafft die Blumenindustrie Arbeitsplätze. Ich bin gespannt, ob ich Kenianer zu ihrer Einstellung zu ihrer Natur und Umwelt befragen kann. In einigen Dokumentationen habe ich gesehen, dass es immer wieder  Streitigkeiten im Umgang mit dem Großwild und den Bauern gibt. In den Trockenzeiten, wenn das Wasser knapp wird, gibt es Streit um Wasserstellen und wilde Raubtiere holen sich das eine oder andere Kalb des Bauern und Viehhirten. Und da die Regierung und NGOs aus touristischen und vermeintlichen Umweltschutzgründen sich eher dem Überleben der Wildtiere widmen und sich für sie mehr einsetzen als für das Überlegeben der Bauern, ist die Einstellung der Bauern gegenüber ihren Großwildschätzen häufig eher negativer Natur.

Worauf ich auch gespannt bin ist der Umgang der Menschen mit dem Thema Homosexualität. Das Land selbst ist vor allem an der Küste des indischen Ozeans multikulturell, die prägendene Religion ist das Christentum. Homosexualität unter Männern ist nach dem Gesetz strafbar, jedoch wurde in dieser Sache seit Jahren kein strafrechtliches Urteil mehr gefällt. Homosexualität unter Frauen ist hingegen nicht strafbar.

Ich freue mich auf die bevorstehende Reise und darüber, das erste Mal ein Land südlich der Sahara kennenzulernen. Für Tipps und Anregungen bin ich jederzeit sehr offen. Vielleicht war ja schon mal der eine oder Andere in Kenia oder auch in Dubai.

Mehr über das Projekt in Kibera und dessen Verlauf erfahrt ihr auf der Seite der Stiftung Digitale Chancen: http://kibera.digitale-chancen.de/



mit dem rad nach hause

23 04 2012

das blog ist wieder da! diesmal als allgemeines reiseblog. die beiträge aus neuseeland bleiben natürlich trotzdem erhalten. die seite wird noch umgestaltet und mit weiteren interessanten infos zum alternativen reisen angereichert. doch nun erst einmal viel spaß mit dem neuen bericht.

seit mehreren jahren schwirrt mir der wunsch im kopf herum, einmal von meinem wohnort in berlin mit dem fahrrad zu meinem elternhaus in sachsen anhalt zu fahren. doch immer wieder kam „etwas“ dazwischen. zu ostern jedoch machte ich ernst, unterzog dem rad einem technischen frühlingcheck und packte meine taschen. zwischen 200 und 220 kilometer sollten es werden. da sich über die osterfeiertage leider kein reisebegeisterter auf der strecke befand, der mich kostenlos bei sich übernachten lies und das wetter sich nicht gerade von seiner frühlingshaften seite zeigen wollte, wollte ich die strecke in 2 tagen mit nur einer übernachtung schaffen. meine beine waren jedoch mehr oder weniger gerade erst aus dem winterschlaf erwacht und daher musste eine weitere übernachtung weiterhin in betracht gezogen werden.

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um 08:30 uhr ging es am karfreitag los

entlang der panke glitzerten gräser und steinchen, die vom raureif einghüllt waren und von der sonne beschienen wurden

am karfreitagmorgen ging es schließlich in berlin karow los. die sonne schien zwar, doch zeugte der raureif von kühlen temperaturen. entlang der panke radelte ich auf gleichnamigen radweg in richtung berliner innenstadt. dem feiertag sei dank war an diesem morgen wenig los und ich kam recht gut voran. auf der schönhauser allee wurde es dann immer belebter. ich radelte an vielen touristischen hotspots vorbei, die ich zwar alle schon hunderte male gesehen hab, an denen ich mich an diesem morgen dennoch erfreute.

fernsehturm von der südlichen schönhauser allee aus gesehen

am brandenburger tor war schon einiges los

erst als ich den wannsee im grunewald nach ca. 31 km erreichte, entkam ich das erste nennenswerte mal dem stadtverkehr und „feierte“ dies mit einem zweiten frühstück. in wannsee selbst waren dann schon anwohner und touristen gleichermaßen erwacht und belagerten die sonnige uferregion des wannsees. an der glienicker brücke verabschiedete ich mich gedanklich von berlin und begrüßte auf der anderen seite nach fast genau 50 km das schöne potsdam.

kurze pause am oberen wannsee

die gegend um den grundwaldturm scheint bei radfahrern beliebt, denn ich habe viele auf ihren rennrädern gesehen.

potsdam zeigt sich zunächst auch noch sonnig. zur mittagspause an der havel hatte ich gerade mal 55 kilometer hinter mir und es zog sich langsam zu. eine geschlossene wolkendecke legte sich übers land und die sonne ward nicht mehr gesehen. schade. ich spürte es auch gleich in der temperatur, die an diesem ohnehin schon empfindlichen tag gleich eins, zwei grade abfiel. ein grund mehr, weiter zu radeln.

potsdam landtag

das als moschee verkleidete dampfmaschinenhaus nahe der havel in potsdam

ebenfalls zum ersten mal gesehen: eine chinesische mandarinenente!

futuristisches wohnen in potsam, mit großen koi karpfen im teich

nach kilometer 70, irgendwo in brandenburg, begann ich die pensionen und gasthöfe die in meiner radwanderkarte verzeichnet sind, anzurufen um einen platz für die nacht fest zu machen. ich fühlte mich gut und wollte es an diesem tag bis „raben“ schaffen, ca. 20 kilometer vor der lutherstadt wittenberg. damit hätte ich den größten teil der strecke bereits hinter mir.

in stadtnähe bleibt es nicht aus, auch müll in nestern zu verbauen..

templiner see

doch es war ostern und obwohl ich raben nur für ein etwas größers dörfchen hielt, schien alles ausgebucht zu sein! erst der letzte anruf bescherte mir einen platz in einem bungalow mit frühstück. perfekt! damit stand das etappenziel fest. und die aussicht auf eine heiße dusche und ein kuscheliges bett gab mir gleich nochmal die nötige motivation zum weiterradeln. ausserdem radelte ich nun weitesgehend auf fahrradstraßen durch wälder, wo ich kaum anderen leuten begegnete. da die sonne nun verschwunden war und es nicht mehr wirklich gemütlich draußen war, haben sich die meisten wohl irgendwo nach drinnen begeben. doch ich war gut angezogen und hoch motiviert! und weiter gings.

wetterstation mit angebundenem stein. weißte bescheid!

auf dem radfernweg r1

in der stadt belzig sprang der kilometerzähler auf 100 und ich hätte bereits dort schon irgendwo in ein gemachtes bett fallen können. 3 weitere radler, die ich seit einigen kilometern immer wieder überholt hatte bzw. sie mich, hatten hier ihr tagesziel erreicht und nur zu gern hätte ich das selbst von mir sagen wollen. aber mein bett für diese nacht stand nun mal in raben. bald fing es an dunkel zu werden und ich war scheinbar der einzige mensch der noch unterwegs war, obwohl es erst später nachmittag war. auf exponierten teilen des weges, die nun immer häufiger vorkamen, zeigte sich der für den nächsten tag vorausgesagte wind schon recht angriffslustig. er kam von schräg vorne und ich war stets dankbar wenn bereits das nächste waldstück in aussich war oder ein abfallendes wegstück. immer wieder hielt ich für ein paar wenige minuten an, um einen schluck aus der thermoskanne zu nehmen und einen keks mit einer handvoll datteln einzuwerfen um die energiezufuhr zu sichern. in neuseeland hatte ich gelernt, immer schon zu essen und zu trinken, bevor das eigentliche hunger- oder durstgefühl eintritt. denn dann ist es meistens schon zu spät.

ich war sehr glücklich darüber, dass sich der gasthof mit dem bungalow direkt am weg befand, an dem man so oder so vorbei geradelt wäre und damit keinen umweg darstellte. ich checkte um 19:00 uhr quasi im vorbei fahren ein und fiel vom rad direkt ins bett, bzw. erstmal noch in die heißte dusche. 128 kilometer zeigte der tacho am ende des tages an.

geschafft! nach 128km darf ich ins gemachte bett fallen. die heizung war netterweise auch schon angestellt.

ich bereitete mir ein kleines abendbrot und eine große tasse tee zu und ging um 9 ins bett. 10 stunden später ruckelten windböen dermaßen an meiner gemütlichen hütte, dass ich mich gedanklich darauf vorbereitete, dass das weiterfahren nichts wird. und zugegeben: als ich das erste mal am nächsten tag aufwachte, konnte ich mich zuerst nicht bewegen, hehe. mein körper war ein steifes brett. doch so nach und nach kam wieder schwung in die überstrapazierten glieder. ich war die erste im frühstücksraum und verleibte mir brot, brötchen und ein frühstücksei ein. schade, wenn ich mehr zeit hätte, würd ich mir gern die burg raben noch anschauen. doch die ist ausserdem eh auf einem hügel, auf den zu radeln ich an diesem morgen definitiv keine lust verspüre! ich muss meine kräfte einteilen. denn es geht weiter, der wind ist böig, aber in den waldstücken gar nicht zu spüren. es herrscht himmlische ruhe in den wäldern an diesem ostersonnabend und ich freue mich darüber, diesen entschluss umgesetzt zu haben. den rest würde ich auch noch schaffen, da war ich mir nun sicher.

ostersamstag am morgen, kurz vor wittenberg

unbefestigte wege machen das ganze noch etwas abenteuerlicher und ist noch näher an der natur als auf aphaltwegen, oder? 🙂

in der lutherstadt wittenberg, der ersten stadt in sachsen anhalt durch die ich kam, schoss ich ein paar bilder. es ist wirklich sehr schön dort! sonne und wolken boten ausserdem ein ausserordentliches licht- und schattenspektakel. das zusammen mit den vielen historischen gebäuden hätte ich mir stundenlang ansehen können. doch ich musste weiter. es war absehbar, dass das wetter nicht mehr all zu lange gnade mit mir hat.
schon als ich in wittenberg einrollte muss gerade vor meiner ankunft ein graupelschauer niedergegangen sein. überall lagen weiße kügelchen die aussahen wie die aus styropor.

wittenberg marktplatz

wittenberg

ich weiß leider nicht, ob es DIE kirche ist.

bis hier hin war ich dem europaradweg r1 gefolgt, der von frankreichs atlantikküste bis hoch nach st. petersburg in russland an der ostsee reicht. in wittenberg wechselte ich nun auf den elberadweg. die elbe musste ich in coswig mit der fähre überqueren. in diesem teilstück kam der wind oft voll von vorn. in coswig presste ich mich an den einzigen baum der auf fahrerseite stand um beim warten auf die fähre vorm wind geschützt zu sein. und im schönen wörlitz hatte petrus mich dann ein: es begann mit einem kurzen regenschauer, darauf folgte graupel, der sich schließlich in schnee verwandelte. in wörlitz hatte ich mich auch mit meinem vater verabredet, der mich von hier an auf seinem rad nach hause begleiten wollte. juhuu, endlich kein lästiges auf die karte schauen mehr, das spart schon mal zeit. dummerweise verfuhr ich mich in wörlitz und wir verpassten uns. doch handy sei dank fanden wir dann doch zueinander.

auf der fähre zum übersetzen an der elbe bei coswig

zusammenschluss in wörlitz: mein vati kam mir 45km entgegen gefahren um die gleiche strecke mit mir zusammen wieder zurück zu fahren. tausend dank! 🙂

wir warteten den schneeschauer ab bevor wir uns an die finalen 45 kilometer machten. als es schneite, dachte ich zuerst nicht mehr an die sonne. doch sie kam tatsächlich wieder! unglaublich, einfach richtig echtes aprilwetter! diese kapriolen sollten sich dann immer wieder und in gleicher reihenfolge wiederholen: regen, graupel, schnee, sonne. es war auf den radwegen ausser uns beiden verrückten natürlich kaum ein anderer unterwegs. was auch gut war, denn bei graupel fuhr ich meist nur mit einer hand und die andere hand schützend vorm gesicht haltend. der graupel fühlte sich auf der kalten haut an wie eine ladung schrot! dadurch sah ich oft nicht was vor mir war. nur das blau der jacke meines vaters ‚leuchtete‘ mir grob den weg, denn natürlich fuhr ich so gut wie möglich in seinem windschatten, was eine große erleichterung für mich war.

als wir die mulde überquerten schien gerade wieder die sonne. wir fütterten dort fische von der brücke aus. ein echtes spektakel mit riesigen exemplaren! aber das größte highlight an diesem kurzen stopp war ein eisvogel. ich glaube, das war das erste mal, dass ich einen gesehen habe. wie ein leutender diamand sah man ihn sehr lange, bevor er im gras der uferböschung verwand. toll!

sonne, fische und ein eisvogel an der mulde. großartig!

mein vati als persönlicher guide auf unbekannten wegen und durch verrücktes wetter. tausend dank, das war mir eine große hilfe und freude 🙂

in dessau erkannte ich dann endlich heimatliche gefilde. zumindest, was die sicht durch schneetreiben noch zuließ. einfach unglaublich! und sogar unglaublich schön! haben wir doch heutzutage allen möglichen technischen schnickschnak an funktionskleidung und bleiben dann doch lieber drin. aber was für ein naturschauspiel! das schneetrieben auf der elbe, der eisvogel, der graupel der die wege mit weißen perlen übersäht.. und kaum ein anderer mensch unterwegs.

in aken an der elbe fuhren wir am gymnasium vorbei, an dem ich vor nun mehr 15 jahren ein paar schuljahre verbrachte. oh gott wie die zeit vergeht. hier verließen wir den elberadweg und fuhren auf einem alternativweg des r1 am akazienteich vorbei in richtung wulfen. der sandfeldweg verlangte nochmal alles ab durch sein ungeschütztes stück auf dem wir dem wind voll von vorn ausgesetzt waren. wenigstens war mir durch die anstrengung nicht kalt! 😉

der letzte schneeschauer hielt sogar recht lang an und bot die dicksten flocken. verrückt aber schön!

216 kilometer waren es von haustür zu haustür. ich freue mich, es nach 12 jahren endlich gemacht und sogar geschafft zu haben. nachahmen ausdrücklich empfohlen! 🙂



von vulkanen über harzer hexen zur spreewaldgurke

7 06 2011

wie im letzten artikel angekündigt, bin ich nach tirau weiter über rotorua zum tongariro national park gereist, oder besser gesagt, getrampt. denn die letzte tour auf der nordinsel (10 tage insgesamt, knapp 1000 km) bin ich nämlich nur noch per anhalter gefahren. das geht in neuseeland sehr gut und hat mir viele kleine schöne bekanntschaften und geschichten eingebracht.

das wetter im tongariro meinte es diesmal gut mit mir, auch wenn es irgendwo grenzwertig war. es war zwar ein klarer tag, jedoch war es höllisch windig. auf ungeschützten graten war ich oft kurz davor mich auf den bauch zu werfen um dem wind weniger angriffsfläche zu bieten und nicht über die felskante gepustet zu werden. ich habe mir sogar steine in die jackentaschen gepackt, um mich zu beschweren. total verrückt!

sonnenuntergang am lake rotorua

tongariro crossing: links der schneebedeckte ruapehu, mit 2.797m der höhste vulkan neuseelands, in der mitte mt ngauruhoe 2287m, und vorn der red crater "rote krater"

die tongariroüberquerung ist mit ihren 18,5 km eine der schönsten eintageswanderungen der welt. rechts vom red crater führt der wanderweg entlang

wieder in auckland: blick auf die vulkaninsel rangitoto, der natüerlich ebenfalls noch erklettert wurde

im flieger auf dem weg um die halbe weg nach "hause". kia ora aotearoa - auf wiedersehen neuseeland!

am 6. mai setzte ich mich schließlich wieder ins flugzeug und ließ mich in mehr als 30 stunden flug wieder auf die nordhalbkugel chauffieren. zeit, um sich nochmal gedanken zu machen was war und was nun sein wird. die gefühle waren gemischt: ich war bereit, wieder nach hause zurück zu kehren, aber neuseeland wollte ich dennoch noch nicht so richtig verlassen.

wieder daheim angekommen hieß es ersteinmal vor allem freunde und familie wiederzusehen. ich wurde am hamburger flughafen herzlich empfangen und von da an war ich auch schon ziemlich „ausgebucht“. mit meinen eltern unternahm ich gleich am ersten wochenende nach meiner rückkehr eine kleine wanderung im harz. was mir auffiel: hier ist ja auch alles so schön grün!! ein jahr abwesenheit und vor allem viel aufenthalt in der natur ließ mich nun meine heimatliche vegetation viel bewusster wahrnehmen.

über himmelfahrt bot es sich für mich und steffi an, uns wieder aufs rad zu schwingen. so zogen wir entlang des spreeradwegs von berlin nach cottbus. unser erster gemeinsamer ausflug nach vielen vielen monaten der trennung.

gab mir ein neues naturbewusstsein für deutschland: die harztour mit meinen eltern zur eckertalsperre

gute 3 wochen später kamen meine 11kg übergepäck ziemlich lediert an, die ich von auckland per post verschickte.

wieder auf dem rad: der spreeradweg führte uns über himmelfahrt von berlin in den spreewald

wozu über 30 stunden im flugzeug sitzen, wenn neuseeland um die ecke ist? bei erkner, östlich von berlin, heisst ein stadtteil ebenso wie das land am anderen ende der welt..

mit steffi on tour bei ausschließlich sehr sommerlichen temperaturen

idyllischer zeltpatz an der spree bei leipe, spreewald. zeltplätze am wasser wurden zumeist von wasserwanderern aufgesucht, wir als radwanderer bildeten eher die ausnahme.

erfrischungsoase: bei über 30 grad kam uns das kühle nass der spree öfter sehr gelegen.

am heutigen tag bin ich genau einen monat wieder zurück. die zeit vergeht wahnsinnig schnell. ob ich mich schon wieder eingelebt habe? klar, als wäre ich nie weg gewesen. auf so einer reise erlebt man jeden tag so viel neues, das mir hier alles so vorkommt wie immer. und das ist auch gut so. ich freue mich darüber jeden tag zu wissen, wo ich am abend schlafen werde. ich freue mich, dass wenn ich jemand vertrautes zum reden brauche nun wieder alle auswahl habe. ich freue mich, wenn ich lust auf quark habe einfach welchen kaufen zu können usw. um nur mal ein paar beispiele zu nennen :).

was ich auf meiner reise gelernt habe? oh da gibts recht vieles. vor allem viele kleine dinge. aber eine sache möchte ich gern mit euch teilen: das abenteuer ist/war nicht neuseeland, das abenteuer ist das ganze leben!

viele fragen mich nun, ‚und was machst du jetzt?‘. nun, natürlich suche ich mir erst einmal eine arbeit. und dann, ja dann, werden wir sehen. es gibt jedenfalls noch viele unentdeckte länder auf dieser welt :D.

ich danke allen meinen treuen lesern und schreibern. es war mir immer eine freude, wenn ihr euch über meine beträge und bilder gefreut habt und den einen oder anderen kommentar da gelassen habt. gut möglich, dass hier auf dieser seite noch von anderen erlebnissen zu lesen sein wird.

nun stürzt euch alle selbst in wieder eure abenteuer. ich freue mich immer, mich mit euch über unser aller geschichten auszutauschen. auf ein baldiges wiederlesen – oder diesmal sogar wieder“sehen“! 😀

britta aka schoko



neuseeland im schnelldurchlauf

28 04 2011

.. oder zumindest einen teil davon. nachdem ich meinen job im applepackhouse beendet hatte wurde mir klar, dass mir nicht mehr viel zeit im land der langen weissen wolke, wie es die maori nennen, bleibt. und dabei gibt es doch aber noch soooo viel zu sehen! also setzte ich mich ans internet und buchte fleissig bustickets. denn um mit dem rad weiter zu reisen blieb keine zeit mehr. dennoch schleppte ich meinen treuen drahtesel ueberall mit hin, was zum glueck nie ein problem war, und war somit vor ort immer flexibel. auf der suedinsel schaute ich mir queenstown an, verliebte mich in diese stadt die an einem riesigen, kristallklaren see liegt und von hohen bergen umringt ist; reiste zum franz josef gletscher auf dem ich bei einer 9-stuendigen gefuehrten tour eine gletscherspalte fiel, kehrte zurueck nach queenstown um weiter nach te anau zu fahren, schaukelte auf einem boot ueber den milford sound, kraxelte in 3 tagen ueber den 60km langen kepler track, kehrte wieder zurueck nach queenstown wo ich mit becky und ein paar anderen reisenden ihren 30. geburtstag feierte und flog am 18. april schliesslich zurueck nach auckland. ich kam erst nachts an da beide flieger (musste in christchurch umsteigen – nein, ich konnte mir die stadt leider leider nicht nochmal ansehen) verspaetung hatten. als ich am naechsten morgen aufwachte dachte ich, ich waere ausversehen auf fiji gelandet. mir war gar nicht mehr bewusst wie warm und feucht das klima „hier oben“ ist. dagegen ist auf der suedinsel ja schon winter. juchuu, ich brauche wieder nur jeans und t-shirt, das ist gut so und macht das reisen einfacher.

queenstown waterfront, mit dem piano mann im vordergrund

eisige umgebung am franz josef gletscher

milford sound zeigte sich nass und bewoelkt

sonnenaufgang auf dem kepler track, tag 2, von der luxmore huette aus gesehen auf lake te anau

gipfelsturm kepler track, tag 2, auf mount luxmore (1496m)

queenstown vom berg ausgesehen (gondola)

queenstown am morgen meiner abreise (frankton mit blick auf remarkables)

nach einer organisationswoche in auckland hab ich mich entschieden mich nochmal auf den weg zu machen. auf der nordinsel gibt es immer noch einige plaetze, die ich bisher noch nicht gesehen habe. meine route fuehrte mich bisher nach coromandel, wo ich aufgrund von dauerregen aber nicht viel machen konnte. nun bin ich gerade in tirau, was nah bei rotorua ist.

herbstbaum auf dem te waihou walkway naehe rotorua

te waihou walkway

das wasser des blue springs, "blauer bach", ist so klar, dass man forellen darin schwimmen sehen kann.

mein weg fuehrt mich weiter uber rotorua zum tongariro national park, wo ich das zweite mal den gleichnamigen track angehen werde (im letzten jahr hatten steffi und ich schlechtes wetter). ueber hamilton geht es nach auckland zurueck von wo ich schliesslich naechste woche freitag zurueck fliegen werde. ich werd bestimmt noch mal einen „abschiedsartikel“ schreiben, somit ist dies erst mein vorletzter, hehe. 🙂



meine rueckkehr

1 04 2011

wahnsinn, wie sich die dinge doch entwickeln! da haben die kiwis doch echt so ein „mitarbeiter des monats“ – ding. und das in so einem kleinen „popel packhaus“! ich  meine, wir packen keine popel. es sind schon aepfel, keine sorge. aber es ist halt kein kommerzieller riese der irgendwie seine mitarbeiter motivieren muss. wie dem auch sei. ich verdanke es jedenfalls meiner deutschen herkunft einen kleinen, ich behaupte, hang zur perfektion zu haben. aepfel die klein und/oder haesslich sind oder  nicht den richtigen grad einer rotfaerbung aufweisen und an mir vorbei muessen, haben kaum eine chance unerkannt durch zu kommen. da sagte mir mein chef heute, dass bei mir nur 2 – 5% der quasimodoaepfel durchkommen, waehrend bei den anderen der durchschnitt bei 5 -10% liegt! wow, da war ich ja selbst baff. (also 5 – 10% der aepfel die durch den grader kommen sind immer noch doof bei anderen mitarbeitern.) daher beschweren sich andere mitarbeiter also immer, wenn sie mal mit an den grader muessen, dass es auf meiner seite nichts zu tun gaebe.. . 🙂

jedenfalls habe ich es dadurch tatsaechlich geschafft mitarbeiterin des monats maerz zu werden! wow, dass ich mal mitarbeiter des monats werde… . und was gibts dafuer? nein, kein grinsebild von mir im aufenthaltsraum (gott sei dank!). sondern ein wochenende im wochenendhaus der packhausbesitzer auf steward island (inklusive faehrueberfahrt!). und ich muss nicht allein reisen: die saison dauert 3 monate, also kommen letztendlich 3 mitarbeiter mit. und genau da liegt der hund begraben: das wochenende gibts naemlich erst, nachdem der job natuerlich erledigt ist, also irgendwann ende mai. und damit man auch ja so lange bleibt, gibts fuer alle, die laenger als 12 wochen bleiben, auch noch eine kleine gehaltserhoehung. nun, auch auf die gefahr hin, dass ich wahnsinnig werde (ich bin auf einem guten weg dahin, ganz gewiss), aber das lasse ich mir beim besten willen nicht entgehen. mit dem geld, was ich dadurch verdiene, ist auch der bereits gebuchte rueckflug von queenstown nach auckland locker wieder drin. und da mich das wochenende nichts kostet und steward island natuerlich sowieso ein „muss“ ist, wenn man schon mal in neuseeland ist, ist die entscheidung einer eventuellen visaverlaengerung schnell gemacht. 🙂

nur fuer ein wochenende verlaengern? nein, natuerlich nicht. danach wird es hier winter (wir haben bereits nachts frost), und ich mag definitiv keinen winter jetzt haben. aber neuseeland bietet klimamaessig etwas fuer jedes beduerfnis und hat auch inseln in tropischen gegenden. z.b. rorotongo!!! dort ist es so warm, dass die menschen dort ebenfalls farbig sind und faelschlicherweise oft fuer afrikaner gehalten werden. mit durchschnittstemperaturen von 25grad celsius das ganze jahr ueber laesst es sich einen winter gut aushalten! :). und da es sogar eine handvoll farmen gibt, die gern freiwillge aufnehmen, ist auch fuer unterkunft, verpflegung und etwas beschaeftigung gesorgt. zumindest ist die bewerbung raus udn ich bin guter dinge, da ich bisher nur aeusserst positive referenzen habe. rorotongo werde ich auch definitiv brauchen, nach 3 monaten monotonie und eiseskaelte am apfelsortierer.

mein angepeilter rueckflugtermin ist daher ende juli. so bekomme ich wenigstens noch den spaetsommer in deutschland mit, bevor ich dann nicht mehr vor einem weiteren winter drum herum komme.

kaum zu glauben: apfel(pummel)fee britta wird mitarbeiter des monats!

so, und wer nun ne webcam hat, kann gern ein foto von sich machen und es mir schicken *grins*.

das ganze ist natuerlich ein aprilscherz!!! april april! 🙂

es wird zeit, zurueck zu kommen. auch wenn ich noch viele ideen haette, was es zu tun oder zu sehen gaebe. aber selbst in einem jahr kann man einfach nicht alles schaffen. ich lebe immerhin auch schon 26 jahre in deutschland und habe auch von deutschland noch bei weitem nicht alles gesehen.

haette ich gern oefter aufgesucht: der clutha river vom millenium track aus betrachtet.

clutha river von der swingbridge (haengebruecke)

die haengebruecke (swingbridge) am clutha river

meine rueckkehr steht damit nach wie vor am 7. mai. heute, am freitag, in genau 5 wochen sitze ich nun schon im flieger richtung nordhalbkugel. ich freu mich schon, alle wieder zu sehen. auch wenn ich zu vielen leider kaum noch oder gar keinen kontakt mehr habe. vielen dank an dieser stelle an die mir „treu“ gebliebenen: meine mutti, uschi, erika und meine partnerin steffi, die mir ueber die letzten 10 monate regelmaessige verbingsbruecken in die heimat waren. waere schwer geworden ohne euch.

ps: nein, es gibt keinen mitarbeiter des monats. auch rorotongo existiert nicht. es koennte aber durchaus eine insel geben, die einen aehnlichen namen hat. ich habe tatsaechlich ein kaninchen erschossen. das ist ok. neuseeland hat eine possum- und eine kaninchenplage. wir haben tatsaechlich nachts frost auf arbeit kann ich den morgenstunden meinen atem sehen *bibber*. ich werde steward island leider „auslassen“, auch wenn es wirklich wirklich sehenswertes auf neuseelands dritter insel gaebe.  🙂



hauptaugenmerk quasimodoaepfel

9 03 2011

ich sitze auf dem rad, kalter wind weht mir um die ohren, die finger fest an den lenker geklammert. vor und rechts neben mir eine bergkette, zum teil noch in wolken gehuellt, zum teil sichtbar. rechts der majestaetische cluthariver, der mit seinem immer tuerkis-blauem wasser besticht. es ist 07:45 uhr morgens und ich trete kraeftig in die pedalen. nur bin ich diesmal ohne gepaeck unterwegs und die fahrt endet bereits nach 3,25 km. denn ich befinde mich lediglich auf dem weg zur arbeit. ich wohne in einem kleinen ort mit dem lustigen namen „miller’s flat“ (uebersetzt ungerfaehr „mueller’s wohnung“) und radle jeden tag nach ettrick. beides liegt ca. 60km suedlich von alexandra in otago.

[zum vergroessern der fotos draufklicken und anschliessend mit der pfeil-zurueck-taste des browsers zum blog zurueckkehren]

abendstimmung in alexandra

brandung curio bay

cathedral caves

ein „applepackhouse“, ein ‚apfelverpackungshaus‘ plumb uebersetzt, ist diesmal ort der ausbeutung. wobei es diesmal geldmaessig besser verguetet wird als alle anderen jobs zuvor. das ist ein wahrer trost, da man sich im wahrsten sinne des wortes den ruecken buckelig arbeitet. und im packhouse herrschen in der regel bessere bedingungen als fuer die apfelpfluecker draussen, zumal diese nach kilogramm gepflueckter aepfel verguetet werden, waehrend wir packer nach stunde entlohnt werden. das ist ein grosser unterschied. denn jeder tag ist anders und ich bin froh, dass wenn ich einen „bin heute im schlafmodus -tag“ habe und entsprechend langsam bin, trotzdem mein geld bekomme.

was machen wir da also? die aepfel gelangen bereits auf einem fliessband ins packhaus. zuerst kommen sie durch den „grader“, dort stehen leute, die die schlechten aepfel („quasimodoaepfel“ wie ich sie selbst nenne) aussortieren. das fliessband endet und jeder apfel faellt einzeln in eine kammer auf einem anderen fliessband und wird gewogen. je nach gewicht wird er an der entsprechenden packstation ausgeworfen. die person dort checkt nochmals die aepfel nach schoenheitsfehlern (komische flecken auf der haut (auch aepfel koennen sonnenbrand bekommen!), lustige form, beschaedigungen..) und groesse und packt sie in eine pappschale und anschliessend in eine kiste. das alles muss natuerlich binnen millisekunden geschehen. die kiste kommt aufs fliessband und wird schliesslich auf paletten gepackt. das ist es im grossen und ganzen. 25 tonnen pro tag rattern durchs packhouse. das ist wenig, da es sich nur um ein kleines familienunternehmen handelt. die grossen packhaeuser, die ebenfalls im gleichen ort ansaessig sind, packen 20 tonnen pro stunde. viele packen fuer „enza“, die auch aepfel in deutsche supermaerkte exportieren. doch wir verkaufen soweit ich weiss nur royal gala an enza. zur zeit packen wir orange cox (schmeckt wir braeburn). und ja, wir durfen so viele aepfel essen wie wir wollen und die quasimodoaepfel auch mit nach hause nehmen (hallo apfeldiaet).

geschummelt: von gore zurueck nach rea's junction teilte sich mein rad den platz in einem anhaenger mit einem miniaturpferd

slope point: suedlichster punkt des neuseelaendischen festlandes

regenwald in den catlins

muss man im land der schafe auch mal gemacht haben: arbeiten mit wolle. hier beim woolcarding. das ist der prozess der vorm spinnen statt findet.

yellow eyed penguin in den catlins

zu anfang arbeitete ich als packer am fliessband. die quasimodoaepfel und zu grossen und zu kleinen aepfel aussortieren, die schoene sonnenseite nach oben, stiele alle in eine richtung. schnell schnell schneller!!! in der zweiten woche stellte man mich an den grader. nun heisst es nur noch aussortieren. alle quasimodo- und zu kleinen aepfel wandern aufs fliessband fuer apfelsaft. stunde um stunde wandern hunderte, tausende, wahrscheinlich milliooooonen aepfel durch meine haende. tag ein tag aus, bis zu 10 stunden am tag, 6 tage die woche. wie ich doch froh bin eigentlich  auf der anderen seite des ausbeutergeschaefts zu stehen.

ich werde wohl entweder eine obsession fuer aepfel entwickeln (ich nehme manche aepfel manchmal nur in die hand, weil sie so wunderschoen und perfekt sind!!!) oder das gegenteil: eine allergie. bisher tendiere ich zu ersterem.. .

die letzte woche vorm start des neuen jobs bin ich noch durch die catlins, ganz im sueden der suedinsel, geradelt. zumindest soweit das wetter dies zuliess. in owaka griff ich schliessliche auf motorisierte hilfe zurueck, da meine ausruestung  dauernass/ klamm war und mein zelt schliesslich anfing zu schimmeln.

betroffen: der oertliche supermarkt in miller's flat entschuldigt sich, dass aufgrund des erdbebens manche lebensmittel evtl. nicht verfuegbar sind. das betraf vor allem milch und brot

nach gut 1.500 km auf dem rad nun also fuer die naechsten wochen wieder geregelter arbeitsalltag, was mir glaub ich ganz gut tut. der einzige wehmutstropfen ist lediglich die erkenntnis, dass nun der herbst einzieht, der sich eigentlich schon anfuehlt wie winter und ich daher nicht glaube, dass nach der zeit im packhouse weiter mit rad und zelt reisen kann. wir werden sehen.



quael dich, du sau

17 02 2011

zurueck gelegte strecke seit letztem artikel: dunedin – outram – middlemarch – ranfurly – alexandra – rae’s junction

insgesamt zurueck gelegte kilometer: 1350

laengste etappe auf oben beschriebener strecke: 86km (ranfurly – alexandra)

hoechstgeschwindigkeit: 57,8 km/h

wetter: regen, nieselregen, nebel, sonne, wind bei 10 bis 25 grad

wasserverbrauch pro person und tag: 2 bis 5,5 liter

kalorienverbrauch: sehr viele! es ist immer schwer durch eine ortschaft zu radeln und NICHT irgendwo fuer ein eis, einen burger, einen pie oder ein stueck kuchen anzuhalten. zumal auch fast jede ortschaft fuer irgend etwas in dieser richtung beruehmt ist (z.b. fruitlands fuer “real fruit icecream” (ja, war lecker ;)) und roxburgh fuer “jimmy’s pies”  (war auch sehr lecker)).

bestes (teil-)stueck:  die letzten rund 20km vor middlemarch (meistens bergab oder flach = endlich mal landschaft geniessen!) und die paar kilometer zwischen alexandra und rae’s junction, die wir nicht auf dem highway fuhren, sondern auf einer nebenstrecke rechts vom clutha river wenn man auf die karte schaut (roxburgh bis millers flat).

herausfordernstes stueck: die drei ersten tage nachdem wir dunedin verliessen. es war, als wolle uns die stadt nicht gehen lassen und stellte uns unzaehlige huegel und berge in den weg die uns mit moerderischen anstiegen die energie regelrecht aus den beinen sogen. am ersten tag, nach einer woche pause, schafften wir gerade mal 40km. davon schoben wir bestimmt mindestens 15.  nicht nur einmal hatte ich udo boeltz beruehmten satz “quael dich, du sau!” im kopf. Jeder meter war harte arbeit, selbst beim schieben, da irgendwann schultern, arme, einfach alles, ALLES nur noch wehtat. einen tag lang mach ich das ja mit. aber es wurde am naechsten und uebernaechsten tag nicht besser. ich fuehlte mich, als wuerde ich mindestens 200 kilo die berge hinauf schleppen und waer selbst gerade nach einer beinamputation aus dem krankenhaus entlassen worden. becky ging es etwas besser und war weiterhin vorne weg. sie verbrachte den halben tag damit, irgendwo auf mich zu warten. am 4. Tag, auf der strecke von ranfurly nach alexandra (=letzte etappe fuer uns auf dem gschotterten otago railtrail), ging es mir endlich besser. doch dafuer wollte dann mein rad nicht mehr. nach knapp 1200 km hatte ich meinen ersten platten. nach weiteren 10 den naechsten und rund 20km vorm etappenziel dann den dritten! mir ging sogar das flickzeug aus und war froh, dass auch becky’s schlaeuche in meine reifen passten. becky selbst stuerzte an diesem tag, zog sich zum glueck aber nur schurfwunden, eine angebrochene rippe und einen kaputten rueckspiegel zu. gemessen daran, dass es nur 10cm neben ihr 15 meter einen hang hinab ging, ist dieser ausgang glimpflig. um 20:30uhr trudelten wir an diesem tag in unserem langersehnten ziel alexandra ein, wo ein sehr nettes couchsurferhost paerchen geduldig auf uns wartete.

pannen: 3 platten (ich), 1 sturz (becky), kaputte hinterbremse (ich), kaputter rueckspiegel (becky); die fahrradwerkstatt in aelxandra freute sich ueber unseren besuch.

interessante bekanntschaften: wir trafen zwischen outram und middlemarch auf ein radlertrio, welches wir dann noch oefter treffen und den einen oder anderen abend zusammen verbringen sollten. david (usa), matt (polen) und rick (deutschland) radelten von dunedin ueber den otago railtrail (middlemarch bis clyde) nach queenstown. alle 3 befinden sich auf weltreise und hatten somit schon die eine oder andere story zum besten gegeben.  wir tauschten nummern aus, doch es war dann doch eher der zufall, dass wir uns so oft sehen sollten (ich glaub 4x sind wir uns wieder begegnet).

unangenehmste erfahrung auf dieser strecke: die erste nacht nach einer schoenen woche in einem richtigen bett campten wir im regen auf einer kuhweide! ich fuehle mich ja schon durchaus zur natur hingezogen, doch an diesem abend war es einfach zu viel fuer mich. ich fuehlte mich rundum unwohl. doch wetter (nebel und nieselregen) und berge hielten uns fest und liessen uns somit keine andere wahl.

weiterer streckenverlauf: in rae’s junction habe ich fuer ein paar tage einen farmaufenthalt. am wochenende gehts weiter in die catlins, bevor ich fuer einen job in einem apfelpackhaus zurueck komme. dann wird das rad fuer ein paar wochen erstmal in den stall gestellt.

aufgrund einer modemverbindung gibts diesmal leider keine bilder. dafuer beim naechsten mal umso mehr. hoffentlich 😉



dunedin

3 02 2011

gefahrene strecke seit dem letzten artikel: twizel – lake aviemore – duntroon – tokahari – five forks – maheno – hampden – moeraki – shag point – palmerston – waitati – mt cargill – dunedin

bisher insgesamt zurueck gelegte km: 975

laengste gefahrene etappe auf der oben beschriebenen strecke: 88km (duntroon – shag point)

koerperliche beschwerden: weiterhin alles ok soweit 🙂

herausfordernste teilstrecke: eindeutig der letzte tag auf dem weg nach dunedin ueber mount cargill. langer, steiler anstieg (7km), von denen wir gut 5 geschoben haben, davon einen auf schotterstrasse da die normale strasse wegen eines rennens gesperrt war. wir frassen viel staub der uns lange zu schaffen machte (der ganze verkehr wurde auf diese schotterstrasse umgeleitet. auf den highway konnten wir nicht weiterfahren, da er kurz vor dunedin zum motorway, zur autobahn, wird). anschliessend lange, steile und kurvige abfahrt, die nicht weniger herausfordernd war, da man hochkonzentriert sein musste (verkehr, schotter in den kurven, strassenbauarbeiten, viel viel bremsen). dennoch war es gleichzeitig auch sehr schoen (ausblicke!!!). eine weitere grosse herausforderung war der staudamm am lake benmore, den wir gleich eines morgens gemeistert hatten. (ich brauche eigentlich immer ein bisschen um mich „warm“ zu radeln ehe ich grosse anstiege durchfahren kann.) da fing meine lunge aber an komische geraeusche zu machen, hehe. generell ist es immer eine herausforderung bei nicht idealem radelwetter (vor allem wind und/ oder regen) auf dem highway zu fahren. man muss sehr konzentriert radeln um nicht umgepustet oder von trucks und bussen eingesogen zu werden. bei abfahrten bei nasser fahrban und boeigen winden erst recht. oftmals ist ein abbruch einer etappe bei solchen umstaenden oft die vernuenftigste entscheidung.

beste teilstrecke: eindeutig die lange, flache abfahrt nach ahuriri pass (erster durchradelter pass ohne schieben!). ca 15 minuten sind wir ohne ein einziges mal zu treten bis nach otematata hineingerollt. das war super! ausserdem versuchen wir soweit es geht den highway zu meiden. bei lake aviemore sind wir daher um den see herum gefahren anstatt auf dem highway. das war wunderschoen! wir hatten die super asphaltierte strasse fast fuer uns allein und trotz bewoelktem himmel wunderbare ausblicke ueber see und berge.

wetter: wie schon davor: eigentlich alles ausser grosse hitze tage. je suedlicher wir kommen, umso kaelter wird es nun. auf der strecke shag point – dunedin mussten wir wegen sturm abbrechen und einen tag zwangsweise in einem pub in palmerston verbringen.

hoechstgeschwindigkeit: 57,4 km/h (abfahrt ahuriri pass. sowas geht nur, wenn die strasse in einem super zustand ist, wenig verkehr herrscht und die strecke gut einsehbar ist (gerade strecke).)

pannen: an lake aviemore brach meine erste speiche. dummerweise konnte ich das par tout nicht sehen, fuehrte es auf meine bremsen zurueck und radelte weitere gute 50km damit. becky beschwerte sich dann, dass ich super langsam bin und ich fuehrte es auf einen schlechten tag zurueck. selbst bergab musste ich staendig treten. am naechsten morgen checkte ich mein rad erneut und entdeckte dann die eigentliche ursache. das hinterrad war durchs weiterradeln dann auch ganz schoen mitgenommen und an weiterfahren war nicht zu denken. zum ersten mal musste ich „professionelle“ hilfe in einem fahrradladen in anspruch nehmen. ansonsten immer wieder probleme mit der schaltung. denke ueber eine investition in eine bessere gangschaltung nach.

interessante bekanntschaften: shirley aus waitati. becky ass zu mittag in einem pub in palmerston und erzaehlte den leuten von ihrer radtour und dass sie aus england kommt. das barpersonal erzaehlte es der koechin, shirley. als shirley feierabend hatte machte sie sich auf den weg um becky zu finden, da sie und ihr mann ebenfalls fuer eine zeit in england wohnten. in waitati hatte sie becky mit dem auto dann eingeholt. 2 minuten spaeter waere becky weitergefahren und shirly in ihr grundstueck eingebogen. was ein schoener zufall. shirley ludt becky zu sich nach hause ein, welches mal ein psychiatrisches krankenhaus war. wie passend fuer 2 verrueckte wie uns. ich lag einen tag zurueck da ich mein rad in die naechste stadt (oamaru) bringen musste um es zu reparieren. am naechsten tag stiess ich zu den beiden hinzu und wegen sturm blieben wir beide eine nacht in shirleys haus, das sie mit 8 anderen leuten teilt. im pub in palmerston lernten wir noch 2 weitere kiwipaerchen kennen die uns zu sich nach hause einluden, da becky unbedingt lernen will wie man ein schaf scheert und diese leute eine schaffarm haben. nun haben wir weitere orte auf unserem plan, die wir anradeln werden. eine weitere bereichernde bekanntschaft ist unser derzeitiger gastgeber jack, der fuer diese woche seine 4 waende mit uns teilt und mit gentlemanverhalten besticht.

bestes erlebnis: eindeutig die bekanntschaften die wir machten. eine nacht in einer ehemaligen psychiatrischen einrichtung, die auch immer noch so aussah, zu schlafen war ein bisschen gruselig. aber zum glueck bin ich meist so muede, dass ich super schlafe. gerade in einem richtigen bett :). und egal, wie ihr euch unsere touren vorstellt, egal welche landschaften, ob entlang schneebedeckter alpenkaemme, sanfte huegel oder auch steile, durch kleine ortschaften wo kinder auf der strasse cricket spielen und uns freundlich gruessen wenn wir vorbei radeln, durch waelder oder tagelang durch farmland, entlang von seen und fluessen oder endlosen straenden, im sonnenschein wie im regen,… es stimmt einfach alles. es ist wunderwunderschoen. an shag point uebernachtete ich im zelt auf einem picknickplatz (picnic area) und nur 10 meter entfernt von mir am fusse der klippen lagen seehunde. ich hoerte die ganze nacht das meer rauschen und den regen auf blaetter und zelt prasseln. das liess mich zwar recht wenig schlafen, da es einfach sehr laut war, aber es war dennoch fantastisch. gerade wenn wir wildcampen, stehen wir zwischen 5 und 5:30uhr auf wodurch ich schon viele viele schoene sonnenaufgaenge gesehen habe. das ist einfach super und laesst muckikater und andere wehwehchen die meist am morgen am staerksten sind im nu vergessen und uns von lauter natuerschoenheiten euphorisiert weiterradeln.

[bilder durch klicken vergroessern und anschliessend mit der pfeil-zurueck-taste zum blog zurueck kehren]

sonnenaufgang am lake aviemore um ca. 06:00uhr

lake aviemore

ausblick vom benmore damm auf lake aviemore

idyllisches duntroon. ach was waeren wir ohne dich gewesen.. 🙂

im pub in duntroon. der pub war gleichzeitig auch hotel, restaurant, take away, vermietung fuer zeltplatz und gemeindegebaeude, versammlungshaus und natuerlich informationsquelle

auch das passiert: gebrochene speiche

zwangsausflug nach oamaru

waehrend mein fahrrad in der werkstatt war, sah ich mich ein bisschen in oamaru um

oamaru zeigte sich mir sonnig eingestellt

nicht nur herbert darf hier nur 70 fahren. auch alle anderen. ortseingangsschild von "herbert" an der ostkueste

lustige steinformationen bei moeraki

moeraki boulders

moeraki boulders

wildcamp an shag point

den platz teilte ich mir mit ein paar seehunden.

aussicht beim zaehneputzen an shag point

irre! ich verbrachte 1 nacht, becky 2 naechte in shirley's heim, welches mal eine psychiatrische einrichtung war.

blick bei der abfahrt von mt. cargill auf die vororte dunedins

blick auf dunedin von unserer derzeitigen bleibe aus

weiterer verlauf: nach einer ruhe- und organisationswoche in dunedin werden wir uns auf den otago railtrail begeben und verlassen damit die (windige) kueste schon wieder. aller voraussicht nach werden wir einen abstecher nach dunback zu einem weiteren, kurzen farmaufenthalt machen. nach alexandra gehts weiter richtung sueden zu rae’s junction und schliesslich in die catlins.