mit dem rad nach hause
23 04 2012das blog ist wieder da! diesmal als allgemeines reiseblog. die beiträge aus neuseeland bleiben natürlich trotzdem erhalten. die seite wird noch umgestaltet und mit weiteren interessanten infos zum alternativen reisen angereichert. doch nun erst einmal viel spaß mit dem neuen bericht.
seit mehreren jahren schwirrt mir der wunsch im kopf herum, einmal von meinem wohnort in berlin mit dem fahrrad zu meinem elternhaus in sachsen anhalt zu fahren. doch immer wieder kam “etwas” dazwischen. zu ostern jedoch machte ich ernst, unterzog dem rad einem technischen frühlingcheck und packte meine taschen. zwischen 200 und 220 kilometer sollten es werden. da sich über die osterfeiertage leider kein reisebegeisterter auf der strecke befand, der mich kostenlos bei sich übernachten lies und das wetter sich nicht gerade von seiner frühlingshaften seite zeigen wollte, wollte ich die strecke in 2 tagen mit nur einer übernachtung schaffen. meine beine waren jedoch mehr oder weniger gerade erst aus dem winterschlaf erwacht und daher musste eine weitere übernachtung weiterhin in betracht gezogen werden.
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entlang der panke glitzerten gräser und steinchen, die vom raureif einghüllt waren und von der sonne beschienen wurden
am karfreitagmorgen ging es schließlich in berlin karow los. die sonne schien zwar, doch zeugte der raureif von kühlen temperaturen. entlang der panke radelte ich auf gleichnamigen radweg in richtung berliner innenstadt. dem feiertag sei dank war an diesem morgen wenig los und ich kam recht gut voran. auf der schönhauser allee wurde es dann immer belebter. ich radelte an vielen touristischen hotspots vorbei, die ich zwar alle schon hunderte male gesehen hab, an denen ich mich an diesem morgen dennoch erfreute.
erst als ich den wannsee im grunewald nach ca. 31 km erreichte, entkam ich das erste nennenswerte mal dem stadtverkehr und “feierte” dies mit einem zweiten frühstück. in wannsee selbst waren dann schon anwohner und touristen gleichermaßen erwacht und belagerten die sonnige uferregion des wannsees. an der glienicker brücke verabschiedete ich mich gedanklich von berlin und begrüßte auf der anderen seite nach fast genau 50 km das schöne potsdam.

die gegend um den grundwaldturm scheint bei radfahrern beliebt, denn ich habe viele auf ihren rennrädern gesehen.
potsdam zeigt sich zunächst auch noch sonnig. zur mittagspause an der havel hatte ich gerade mal 55 kilometer hinter mir und es zog sich langsam zu. eine geschlossene wolkendecke legte sich übers land und die sonne ward nicht mehr gesehen. schade. ich spürte es auch gleich in der temperatur, die an diesem ohnehin schon empfindlichen tag gleich eins, zwei grade abfiel. ein grund mehr, weiter zu radeln.
nach kilometer 70, irgendwo in brandenburg, begann ich die pensionen und gasthöfe die in meiner radwanderkarte verzeichnet sind, anzurufen um einen platz für die nacht fest zu machen. ich fühlte mich gut und wollte es an diesem tag bis “raben” schaffen, ca. 20 kilometer vor der lutherstadt wittenberg. damit hätte ich den größten teil der strecke bereits hinter mir.
doch es war ostern und obwohl ich raben nur für ein etwas größers dörfchen hielt, schien alles ausgebucht zu sein! erst der letzte anruf bescherte mir einen platz in einem bungalow mit frühstück. perfekt! damit stand das etappenziel fest. und die aussicht auf eine heiße dusche und ein kuscheliges bett gab mir gleich nochmal die nötige motivation zum weiterradeln. ausserdem radelte ich nun weitesgehend auf fahrradstraßen durch wälder, wo ich kaum anderen leuten begegnete. da die sonne nun verschwunden war und es nicht mehr wirklich gemütlich draußen war, haben sich die meisten wohl irgendwo nach drinnen begeben. doch ich war gut angezogen und hoch motiviert! und weiter gings.
in der stadt belzig sprang der kilometerzähler auf 100 und ich hätte bereits dort schon irgendwo in ein gemachtes bett fallen können. 3 weitere radler, die ich seit einigen kilometern immer wieder überholt hatte bzw. sie mich, hatten hier ihr tagesziel erreicht und nur zu gern hätte ich das selbst von mir sagen wollen. aber mein bett für diese nacht stand nun mal in raben. bald fing es an dunkel zu werden und ich war scheinbar der einzige mensch der noch unterwegs war, obwohl es erst später nachmittag war. auf exponierten teilen des weges, die nun immer häufiger vorkamen, zeigte sich der für den nächsten tag vorausgesagte wind schon recht angriffslustig. er kam von schräg vorne und ich war stets dankbar wenn bereits das nächste waldstück in aussich war oder ein abfallendes wegstück. immer wieder hielt ich für ein paar wenige minuten an, um einen schluck aus der thermoskanne zu nehmen und einen keks mit einer handvoll datteln einzuwerfen um die energiezufuhr zu sichern. in neuseeland hatte ich gelernt, immer schon zu essen und zu trinken, bevor das eigentliche hunger- oder durstgefühl eintritt. denn dann ist es meistens schon zu spät.
ich war sehr glücklich darüber, dass sich der gasthof mit dem bungalow direkt am weg befand, an dem man so oder so vorbei geradelt wäre und damit keinen umweg darstellte. ich checkte um 19:00 uhr quasi im vorbei fahren ein und fiel vom rad direkt ins bett, bzw. erstmal noch in die heißte dusche. 128 kilometer zeigte der tacho am ende des tages an.

geschafft! nach 128km darf ich ins gemachte bett fallen. die heizung war netterweise auch schon angestellt.
ich bereitete mir ein kleines abendbrot und eine große tasse tee zu und ging um 9 ins bett. 10 stunden später ruckelten windböen dermaßen an meiner gemütlichen hütte, dass ich mich gedanklich darauf vorbereitete, dass das weiterfahren nichts wird. und zugegeben: als ich das erste mal am nächsten tag aufwachte, konnte ich mich zuerst nicht bewegen, hehe. mein körper war ein steifes brett. doch so nach und nach kam wieder schwung in die überstrapazierten glieder. ich war die erste im frühstücksraum und verleibte mir brot, brötchen und ein frühstücksei ein. schade, wenn ich mehr zeit hätte, würd ich mir gern die burg raben noch anschauen. doch die ist ausserdem eh auf einem hügel, auf den zu radeln ich an diesem morgen definitiv keine lust verspüre! ich muss meine kräfte einteilen. denn es geht weiter, der wind ist böig, aber in den waldstücken gar nicht zu spüren. es herrscht himmlische ruhe in den wäldern an diesem ostersonnabend und ich freue mich darüber, diesen entschluss umgesetzt zu haben. den rest würde ich auch noch schaffen, da war ich mir nun sicher.

unbefestigte wege machen das ganze noch etwas abenteuerlicher und ist noch näher an der natur als auf aphaltwegen, oder?
in der lutherstadt wittenberg, der ersten stadt in sachsen anhalt durch die ich kam, schoss ich ein paar bilder. es ist wirklich sehr schön dort! sonne und wolken boten ausserdem ein ausserordentliches licht- und schattenspektakel. das zusammen mit den vielen historischen gebäuden hätte ich mir stundenlang ansehen können. doch ich musste weiter. es war absehbar, dass das wetter nicht mehr all zu lange gnade mit mir hat.
schon als ich in wittenberg einrollte muss gerade vor meiner ankunft ein graupelschauer niedergegangen sein. überall lagen weiße kügelchen die aussahen wie die aus styropor.
bis hier hin war ich dem europaradweg r1 gefolgt, der von frankreichs atlantikküste bis hoch nach st. petersburg in russland an der ostsee reicht. in wittenberg wechselte ich nun auf den elberadweg. die elbe musste ich in coswig mit der fähre überqueren. in diesem teilstück kam der wind oft voll von vorn. in coswig presste ich mich an den einzigen baum der auf fahrerseite stand um beim warten auf die fähre vorm wind geschützt zu sein. und im schönen wörlitz hatte petrus mich dann ein: es begann mit einem kurzen regenschauer, darauf folgte graupel, der sich schließlich in schnee verwandelte. in wörlitz hatte ich mich auch mit meinem vater verabredet, der mich von hier an auf seinem rad nach hause begleiten wollte. juhuu, endlich kein lästiges auf die karte schauen mehr, das spart schon mal zeit. dummerweise verfuhr ich mich in wörlitz und wir verpassten uns. doch handy sei dank fanden wir dann doch zueinander.

zusammenschluss in wörlitz: mein vati kam mir 45km entgegen gefahren um die gleiche strecke mit mir zusammen wieder zurück zu fahren. tausend dank!
wir warteten den schneeschauer ab bevor wir uns an die finalen 45 kilometer machten. als es schneite, dachte ich zuerst nicht mehr an die sonne. doch sie kam tatsächlich wieder! unglaublich, einfach richtig echtes aprilwetter! diese kapriolen sollten sich dann immer wieder und in gleicher reihenfolge wiederholen: regen, graupel, schnee, sonne. es war auf den radwegen ausser uns beiden verrückten natürlich kaum ein anderer unterwegs. was auch gut war, denn bei graupel fuhr ich meist nur mit einer hand und die andere hand schützend vorm gesicht haltend. der graupel fühlte sich auf der kalten haut an wie eine ladung schrot! dadurch sah ich oft nicht was vor mir war. nur das blau der jacke meines vaters ‘leuchtete’ mir grob den weg, denn natürlich fuhr ich so gut wie möglich in seinem windschatten, was eine große erleichterung für mich war.
als wir die mulde überquerten schien gerade wieder die sonne. wir fütterten dort fische von der brücke aus. ein echtes spektakel mit riesigen exemplaren! aber das größte highlight an diesem kurzen stopp war ein eisvogel. ich glaube, das war das erste mal, dass ich einen gesehen habe. wie ein leutender diamand sah man ihn sehr lange, bevor er im gras der uferböschung verwand. toll!

mein vati als persönlicher guide auf unbekannten wegen und durch verrücktes wetter. tausend dank, das war mir eine große hilfe und freude
in dessau erkannte ich dann endlich heimatliche gefilde. zumindest, was die sicht durch schneetreiben noch zuließ. einfach unglaublich! und sogar unglaublich schön! haben wir doch heutzutage allen möglichen technischen schnickschnak an funktionskleidung und bleiben dann doch lieber drin. aber was für ein naturschauspiel! das schneetrieben auf der elbe, der eisvogel, der graupel der die wege mit weißen perlen übersäht.. und kaum ein anderer mensch unterwegs.
in aken an der elbe fuhren wir am gymnasium vorbei, an dem ich vor nun mehr 15 jahren ein paar schuljahre verbrachte. oh gott wie die zeit vergeht. hier verließen wir den elberadweg und fuhren auf einem alternativweg des r1 am akazienteich vorbei in richtung wulfen. der sandfeldweg verlangte nochmal alles ab durch sein ungeschütztes stück auf dem wir dem wind voll von vorn ausgesetzt waren. wenigstens war mir durch die anstrengung nicht kalt!

der letzte schneeschauer hielt sogar recht lang an und bot die dicksten flocken. verrückt aber schön!
216 kilometer waren es von haustür zu haustür. ich freue mich, es nach 12 jahren endlich gemacht und sogar geschafft zu haben. nachahmen ausdrücklich empfohlen!
Kategorien : Allgemein





























































































































